Das grosse Openair Spektakel   |   EN   FR

Picasso statt Pikachu

Während sich die Basler Jugend auf Plätzen versammelt, um per Handy japanische Fabelwesen zu jagen, organisierte das Basel Tattoo zusammen mit der Fondation Beyeler einen Ausflug für die Mitwirkenden. Neben den bewährten Klassikern des Museums stand die Besichtigung der Sonderausstellung Calder & Fischli/Weiss an.

Gleich zu Beginn des Ausfluges brauchte man nur wenige Minuten, um zu begreifen, dass es sich hier um keinen gewöhnlichen Trip einer Gruppe in die Fondation Beyeler handelte: Als eine ältere Kleinbasler Dame den 6er bestieg, sprangen gleich drei Soldaten der Conscript Band of the Finnish Defence Forces pflichtbewusst und in bester "Der Tramdiräggter het das gsait"-Manier auf, um Platz zu machen. Begeistert ob so viel Höflichkeit, redete die Dame in breitem Dialekt auf den einen Soldaten ein, der natürlich überhaupt nichts verstand, die Dame aber unter den staunenden Blicken seiner Kameraden souverän zu ihrem Sitz lotste.

Kaum in der Fondation Beyeler angekommen, ging das grosse Staunen weiter. Diesmal war aber nicht eine 80-Jährige Kleinbaslerin Grund dafür, sondern ein 177-Jähriger Franzose. Die Mitglieder der Japanischen Militärformation gerieten ob Paul Cézanne derart aus dem Häuschen, dass sie handgestoppte zehn Minuten vor seinen Bildern verweilten. Nur um dann im nächsten Raum mit Bildern von Monet bekannt gemacht zu werden. Man war sich einig: Ein Museum, das gleich in seinen ersten Ausstellungsräumen derart hochwertige Kunst zeigt, muss wirklich Weltklasse sein. Die Fondation Beyeler zeigte sich überhaupt von ihrer besten Seite: Die Sommersonne durchflutete den Prachtbau von Renzo Piano mit wunderbaren Lichteffekten. Der schattige Garten lud derweil zum Flanieren ein und der Eistee schmeckte im Garten-Café richtig gut. Die Teilnehmenden des "Basel Tattoo" waren von Finnland bis Japan hellauf begeistert. "It was the first time I have seen a Picasso", tönte es zufrieden aus der Gruppe hervor. Nach der freundlichen Begrüssung der Kommunikationsverantwortlichen gingen die Teilnehmer der Gruppe selbstständig auf Entdeckungstour quer durchs Museum. Mit einer japanischen Handy-App wurden die Schrifttafeln fotografiert und flugs in bekannte Schriftzeichen übersetzt und zur Beschreibung der fantastischen Bildervielfalt wurden mindestens 12 der 15 berüchtigten Finnischen Grammatikfälle benutzt. 

Dass der Ausflug ein Erfolg war, zeigte sich nichtzuletzt daran, dass die Soldaten sich nach Ablauf der 90 Minuten ungewöhnlich unpünktlich am Treffpunkt zurück einfanden. Die Erzählungen über das Erlebte wurden während der Fahrt in die Innerstadt genüsslich ausgetauscht, natürlich nicht ohne noch der einen oder anderen Dame pflichtbewusst den Sitzplatz im Tram anzubieten. Bei der Rückkehr war man sich einig: Die Fondation Beyeler hat das Etikett Weltklasse absolut verdient.

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