Das grosse Openair Spektakel   |   EN   FR

Avis matutina vermem capit!

Andreas Brütsch, Operations Manager beim Basel Tattoo, berichtet über seinen Job in unserer Rubrik "Basel Tattoo Mitarbeiter melden sich zu Wort".

Sonntagmorgen, zuhause, nullsechsnullnull, der Wecker läutet - kann dies denn schon möglich sein? Nein, er ist definitiv nicht defekt… ein Alptraum? Nein, auch nicht… Mist, ich muss ja aufstehen, gar keine Zeit nachzudenken.

Erster Blick aufs Handy - keine Anrufe in der Nacht, immerhin… Duschen und rasieren? Ja, das muss sein, denn der erste Eindruck zählt - was die Soldaten müssen, gilt auch für mich. So schwinge ich mich also auf mein Velo in Richtung Kaserne. Über die Mittlere Brücke, durch die Webergasse – da werde ich das erste Mal aus dem Schlaf gerissen: „Hallo Schätzchen, hast du Lust?" – Sicher nicht, jeden Morgen das Gleiche. Auf dem Kasernenareal angekommen höre ich schon von weitem: „Bitte Schranke öffnen!“ Sicher, mache ich, aber zuerst einmal einen wunderschönen guten Morgen! Danach ein kurzer Blick Richtung Verpflegungszelt - das Auto von Guido steht dort, somit ist das Frühstück für die Soldaten eingetroffen. Der eine oder andere Soldat schleicht über den Kasernenplatz – ob sie wohl gut geschlafen haben in der Zivilschutzanlage? Ich hoffe es! Anschliessend ein kurzes „Hallo“ zu den Monteuren, sprechen mögen sie noch nicht so – es ist ja auch erst kurz vor sieben. Trotzdem ein leises „Machen wir es jetzt so wie gestern besprochen?“ Klar, machen wir.

Dann die obligate Begrüssung der Soldaten. Gut geschlafen? Alle anwesend? Auf meine Fragerei kommt dann ein orkanartiges "GUTEN MORGEN" zurück. Damit übernimmt der Chefmonteur der Firma Nüssli das Zepter. Sämtliche Soldaten werden in Arbeitsgruppen eingeteilt - wer war gestern mit dem „Gstältli“ in der Höhe? Die gehen alle zum Monteur Husi, 10 Mann zum Tunnelbauer und der Rest geht zu… jetzt versteht aber keiner mehr etwas… ah, Walti donnert mit seinem Stapler vorbei! Was ist denn plötzlich los? Ein Militärlastwagen ist angekommen, der muss sofort geladen werden. Also noch einmal, der Rest macht dort weiter, wo sie gestern aufgehört haben. Ein kurzer Blick zum Verantwortlichen vom Militär, ein kurzes Nicken von ihm und ich weiss es läuft zu seiner Zufriedenheit.

Ein Monteur der Firma Nüssli kommt auf mich zu gerannt „Gehst du zu deinem Container? Ich brauche den Laser“. Sicher gehe ich jetzt zu meinem Container, denn ich weiss, da steht ein feiner Kaffee bereit. „Guten Morgen Andi“, höre ich eine Stimme aus dem Baucontainer. „Dein Kaffee steht auf dem Tisch". Vielen Dank Claudio, was würde ich nur ohne dich machen.

Ich schliesse meinen Container auf und setze mich auf den Stuhl. Ich blicke in die Tagesagenda, danach auf die Uhr - es ist ja erst fünf nach sieben. Also gut, was steht heute alles noch an und wie weit müssen wir mit der Tribüne bis heute Abend sein? Aber zuerst geht es zu einem kleinen 'Morgenandenken' mit Claudio – ein Abgleich der Arbeiten mit seinen fleissigen Mannen. Auch hier sind wir auf Kurs, der Boxkeller kann eingerichtet werden, der Quartiertreffpunkt ebenso. Am Montag werden bereits die Telefon- und Internetleitungen installiert.

Schweiss läuft mir den Rücken runter, es ist heiss! Apropos Hitze, ich muss noch auf den Turm. Also mache ich mich auf, bevor das Thermometer overflow anzeigt. Oben angekommen gönne ich mir einen kurzen Blick Richtung Rhein - einfach wunderschön, unsere Stadt von oben zu sehen. Ich verschaffe mir einen Überblick über die Situation auf dem Turm, unser Feuerwerker hat bei der Abschussrampe ein paar Änderungswünsche, die wir realisieren müssen. Ich mache noch ein paar Fotos und dann geht es wieder die steile Treppe nach unten. Auf dem Platz herrscht eine herrliche Ruhe – es ist wohl Znüni Pause. Ich setze mich zu den Nüssli Monteuren. Ist wohl alles gut, wo stehen wir? - "Naja", kommt die ernüchternde Antwort "die Soldaten sind nicht sehr motiviert, alles geht sehr schleppend. Wir müssen immer auf der Hut sein, dass sich keiner davon schleicht. Dazu kommt die grosse Hitze“. Nach der Pause nehmen wir nochmals alle Soldaten zusammen und teilen die Gruppen neu ein - verbunden mit ein paar motivierenden Worten. Chefmonteur Dani kommt zu mir: „Wir müssen was machen, diese Hitze! Haben wir Eimer mit Eiswasser, um darin Tücher zu tränken und in den Nacken zu legen.“ Ich nehme mich dem Hitzeproblem an und mache mich auf die Suche nach Eiswürfeln. Beim Weglaufen ruft er mir noch nach: „noch besser wäre eine Dusche!“ Mein erster Gedanke: Eine Dusche? Am Sonntag? Hallo? Aber nichts ist unmöglich, ich rufe den Sanitäter Chees an, die haben doch sicher so was an Lager. Zwei Stunden später - die Dusche ist montiert, die Monteure und Soldaten zufrieden. High noon: Es liegt ein besonderer Duft in der Luft - SONNTAGSBRATEN, Kartoffelstock und Rüebli. Nein, Guido, ich nehme keinen Käse auf den Kartoffelstock! Wie immer werden wir köstlich verwöhnt. Mit vollem Magen legen sich die Soldaten in den Schatten und ruhen sich noch etwas aus.

„Daher!“ Halt es über den Kasernenplatz, durchnummerieren: eins, zwei… einundvierzig Schluss. Ufff, aufatmen - es sind alle anwesend. Weiter geht es mit dem Aufbau, die Hitze ist immer noch unerträglich, dennoch geht es irgendwie zügiger voran. Gut so. Ich mache mich auf einen Rundgang. Zuerst aber noch einen Blick in mein Tagebuch aus dem letzten Jahr. Wo standen wir und wo sind wir heute? Immer und immer wieder die gleiche Frage - sind wir im Zeitplan? Lass dich nicht nervös machen, sage ich mir. Gedankenverloren marschiere ich zu meinem Container – und kann mich knapp vor dem herandonnerten Hubstapler retten. Kurzes Kopfschütteln, weiter geht es. So setze ich mich an den Tisch und beginne den morgigen Tag „finale“ zu planen. Montag ist Grosskampftag: die Bodenplatten werden angeliefert, die Zeltbauer kommen, der Schreiner ist auf Platz, Container werden geliefert, Rampen und Podeste werden gebaut. Dies alles spielt sich nochmals in meinem Kopf ab. Habe ich an alles gedacht? Haben alle Arbeit? Und immer wieder diese Hitze…

Ich mache einen weiteren Rundgang ausserhalb des Kasernenplatzes. Dies und das wird so notiert, dass ich morgen die Aufträge verteilen kann. Dann erneut ein Blick auf die Uhr: vier Uhr! Das z'Vieri steht an und wiederum eine kurze Absprache mit den Nüssli-Monteuren. Soweit ist alles gut, es sind einfach alle recht müde – wir brauchen eine Lösung. Wir einigen uns, das Nachtessen auf neunzehn Uhr zu schieben, danach ist Schluss. „Seibi, rufst du Guido an?“ „Ja klar, mache ich.“ „Ist möglich“, tönte es am anderen Ende. Das Militär ist zufrieden mit uns und geht wieder an die Arbeit.

Langsam neigt sich nun der Arbeitstag zu Ende. Kurz vor neunzehn Uhr mache ich meinen letzten Rundgang. Ich notiere mir den genauen Stand der Arbeiten, vergleiche alles mit den Vorjahren und gehe damit zum Chef-Monteur. Wo stehen wir? „Jaja, wir sind nicht so weit wie letztes Jahr.“ Ich schlage mein schlaues Buch auf, stimmt nicht, wir sind genau im Soll. „Wirklich?“ Ja wirklich - ein tiefer Seufzer von ihm und die Welt ist wieder in Ordnung.

Nach dem Abendessen kommt es wiederum zu einem DAHER! Es wird Tagesbilanz gezogen: was war gut und was müssen wir morgen besser machen. Mittendrin kommt der Materialwart vom Militär: „Es fehlt ein Hammer!“ Ein Raunen geht um "isch sicher wieder dr Müller gsi" höre ich verstohlen zwei Soldaten lästern. Es scheren alle aus, denn wer mal Militär gemacht hat weiss - in solchen Fällen heisst es SBG (suchen bis gefunden). Nach ein paar Minuten kommt die Erlösung: Hammer gefunden. So nun wünschen wir allen einen schönen Abend, vielen Dank und erholt euch gut. Bis morgen….

Doch zu früh gefreut, da wird einem doch noch der Feierabend vom Brot genommen. Ein Militärlastwagen kommt, voll beladen! Aber unser fleissiges Bienchen im orangen Leibchen (genannt Walti) kommt schon angebraust: „Ich mache das noch!“ Wir helfen natürlich. Eigentlich ein schönes Bild, wie die Hubstapler auf dem vom Sonnenuntergang geröteten Kasernenplatz umherflitzen. Jetzt haben wir es aber geschafft! Bei einem leisen Zischen aus der Bierdose, gefolgt vom Tageslatein aus dem Hause „Nüssli“ neigt sich ein harter, aber erfolgreicher Tag zu Ende. Nach ein, zwei Bier verabschiede auch ich mich und nehme den Heimweg unter die Räder. Nach einer wohltuenden Dusche falle ich todmüde ins Bett und versuche einzuschlafen. Aber da kommt wieder dieses Gefühl der Vorfreude auf das, was kommen wird - DIE PREMIERE. Dieser eine Moment, für den man Tag für Tag arbeitet.. und ich schlafe mit einem zufriedenen Lächeln ein.

 

Für den nächsten Newsletter nominiere ich Markus Gisin, unser Zahlengenie.

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