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Interview mit Simon Billeter, Leader Patrouille Suisse

Die Patrouille Suisse überflog an der Dernière unserer Jubiläumsshow die Basel Tattoo Arena mit sechs A5-Tiger Maschinen. Der Leader der Patrouille Suisse hat uns erzählt, wie er den Überflug erlebt hat und wie ein normaler Arbeitstag von ihm aussieht. Lesen Sie unser Interview mit Simon Billeter.

Seit wann sind Sie Leader dieser Eliteeinheit. Wie sind Sie dazu gekommen. Wie ist Ihr fliegerischer Werdegang?

Ich fliege seit 2006 in der Patrouille Suisse und seit 2013 bin ich der Leader. Leader wird nur wer bereits in der Patrouille Suisse fliegt, er wird vom Team einstimmig gewählt, denn er braucht das Vertrauen jedes einzelnen Teammitglieds. Es kommt jemand zum Zug, der schon länger im Team ist und eine grosse Erfahrung hat.

Ich bin 1995 in die Pilotenrekrutenschule eingerückt, habe die Ausbildung zum Militärpiloten gemacht und seit 1997 bin ich Berufsmilitärpilot in der Luftwaffe. Auf dem F/A-18 fliege ich seit 2003. Für die Patrouille Suisse fliegen wir nur ca. 30% unserer Arbeitszeit. Jedes Teammitglied fliegt hauptsächlich F/A-18 und ist in eine Staffel eingeteilt.

War der Überflug über Basel, die Arena in der Kaserne für Sie etwas Besonderes?

Der Überflug am Basel Tattoo war für mich sehr speziell. Einerseits war der Einsatz ziemlich spät um 21:30, da ist schon Dämmerung und das stellt spezielle Anforderungen, vor allem auch an die Wingmänner. Zum Glück hatten wir gutes Wetter und es war dementsprechend doch relativ hell. Andererseits war gefragt, dass wir den ersten Überflug auf die Sekunde genau exakt um 21:30:41 machen. Unser Flugzeug, der Tiger F-5 ist schon älteren Datums und darum hat es diesbezüglich keine technischen Hilfsmittel an Bord. Ich habe dafür einen eigenen digitalen Wecker mitgenommen und ihn in meinem Sichtfeld im Cockpit angebracht. Somit hat das zusammen mit einer genauen Vorbereitung perfekt geklappt. Auch die Navigation war sehr anspruchsvoll, da die Kaserne mitten in der Stadt ist und aus der Luft inmitten aller Häuser schlecht zu finden ist. Ich habe darum auch viel Zeit in die Vorbereitung investiert, damit dann für den Einsatz alles klappt.

Haben Sie und ihre Kameraden im Flugzeug etwas von der Begeisterung der Abertausenden von Zuschauern mitbekommen?

Nein, das bekommen wir leider nicht direkt mit. Wir waren aber in Funkkontakt mit einem Überwacher am Boden und er hat uns die grosse Freude und das Klatschen der Zuschauer übermittelt. 

War der 25. Juli 2015, Dernière-Tag des Basel Tattoo, für Sie ein ganz normaler Arbeitstag? Wie lief der ab?

Ja, der 25. Juli war eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag für uns. Er war aber insofern speziell und sehr streng, weil wir an diesem Tag 3 Patrouille Suisse Einsätze an verschiedenen Orten hatten. Um 15:00 waren wir am Rütli an einer Vorführung, um 18:30 in Spiez am Seenachtsfest und dann um 21:30 in Basel am Tattoo. Am Abend waren wir auch dementsprechend müde, aber glücklich über die gelungenen Einsätze. 

Wir trafen uns um den Mittag auf dem Flugplatz Payerne für das Briefing des ersten Einsatzes. Dann ging ziemlich alles Schlag auf Schlag. Nach dem Flug ein kurzes Debriefing und dann gerade wieder das Briefing für den nächsten Flug. Da gehört eine gute Vorbereitung und Koordination der jeweiligen Vorführorte schon im Vorfeld dazu.

Gab es für Sie und ihre Formation dieses Jahr ganz besondere, Einsätze? Was waren die tollsten?

Das Basel Tattoo war sicher ein spezieller Einsatz für uns, rein einfach wegen der Umstände, die ich vorher schon erwähnt habe. Sonst hatten wie eine gute, strenge Saison mit vielen schönen Vorführungen. Wir waren in Korsika, Irland, Italien und hatten auch viele anspruchsvolle Displays in der Schweiz.

Auffallend viele Jugendliche, gar Kinder, schauten begeistert zum Himmel, als die rot-weissen Maschinen über die Stadt flogen.Wie wird man Militärpilot, gar Mitglieder der Patrouille Suisse?

Die Fliegerei fasziniert nach wie vor. Wir machen unter anderem ja auch Werbung, um die jungen Leute für die Aviatik zu begeistern.

Um Militärpilot zu werden muss man den Offiziersgrad haben und den Sphair Kurs bestanden haben. Nach der Anmeldung folgen dann verschiedene weitere Selektionsschritte bis hin zur Brevetierung als Militärpilot. Jugendliche, die sich für die Aviatik interessieren können sich auf folgenden Seiten informieren: www.sphair.ch und www.airforcepilot.ch 

Um in der Patrouille Suisse zu fliegen, kann man sich nicht bewerben. Wenn ein Mitglied das Team verlässt, wählen die übrigen einen neuen aus, den sie im Team haben möchten, das basiert auf Einstimmigkeit. Voraussetzung ist, dass er Jetpilot auf dem F/A-18 ist und eine gewisse Erfahrung mitbringt.

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